Wie viel Beständigkeit besitzt unsere Erinnerung, wenn die vertrauten Zeichen des Alltags ihre Konturen verlieren?
In der Serie “PATINA” arbeite ich in einem Spannungsfeld zwischen figürlicher Konstruktion und malerischem Zerfall. Ich halte den Moment fest, in dem das Alltägliche seine ursprüngliche Funktion einbüßt um Raum für Neues zu öffnen.
In Blaugrün und zartem Rosa überführe ich klare Motive in fragmentierte Flächen und mache so die Instabilität unserer kollektiven Erinnerung greifbar. Die Serie bildet keine Epoche ab, sondern dokumentiert die Spuren ihres Verschwindens – ein Plädoyer für den Verfall als ästhetische Qualität, die unsere Gegenwart als offenes, sich stetig wandelndes Gefüge zeigt.
KONZEPT / STATEMENT
In meiner Malerei beschäftige ich mich mit Erinnerung als Zusammenspiel von persönlichen Bildern und kollektiv geteilten Erfahrungen. Mich interessiert, wie sich Erlebtes im Laufe der Zeit verändert, überlagert oder neu zusammensetzt.
Meine Arbeiten sind figürlich angelegt, wobei sich klare, greifbare Figuren aus abstrakten Flächen herausbilden und wieder in ihnen auflösen. Es entsteht eine Dynamik zwischen präzisen Formen und fragmentierten Flächen – Bildräume, die offen bleiben und sich einer eindeutigen Lesbarkeit zu entziehen versuchen.
Ich arbeite mit stark verdünnter Acrylfarbe, bei der Wasser eine zentrale Rolle spielt. Der Entstehungsprozess ist ein Wechselspiel aus Kontrolle und Zufall: Farben fließen, vermischen sich, Grenzen verwischen. Schichten tragen sich ab, lösen Formen auf und bringen neue hervor. Dieser Prozess entspricht meiner inhaltlichen Auseinandersetzung mit Erinnerung als etwas Nicht-Linearem und Wandelbarem. Bilder entwickeln sich schichtweise und bleiben bewusst uneindeutig – vergleichbar mit Erinnerungsspuren, die kurzzeitig scharf erscheinen können, nur um im nächsten Augenblick wieder zu verblassen.
In vielen Arbeiten erscheinen vertraute Zeichen wie Logos, Produkte oder visuelle Reize aus unserem Alltag. Durch ihre Auflösung und Verfremdung verlieren sie ihre ursprüngliche Funktion und werden zu Auslösern individueller wie kollektiver Assoziationen. Ziel ist es, die Wahrnehmung auf einer sinnlichen Ebene anzusprechen und Stimmungen oder Gefühle hervorzurufen, die mit bestimmten Lebensphasen verbunden sind.
Die Ästhetik meiner Arbeiten erinnert an verwitterte Oberflächen, an Überreste einst klarer Bilder, die wie versunkene Schätze aus einer anderen Zeit wieder auftauchen. Aus Fragmenten formen sich konkrete Figuren, die deutlich erkennbar hervortreten. Dieser Prozess ähnelt dem Betrachten von Wolkenbildern oder dem Zustand des Träumens, bei dem sich Gedanken und Bilder mischen, diese jedoch flüchtig bleiben. Meine Arbeiten bewegen sich in diesem Zwischenraum: als offenes Gefüge aus Wahrnehmung, Erinnerung und Imagination, das zur aktiven Mitgestaltung der eigenen inneren Bilder einlädt.
Michael Genter | Freiburg, 2026









